'Reason for Hope'

Reintroduction of the Northern  Bald Ibis in Europe

Migration

 

Der Waldrapp war ehemals ein Zugvogel, der im Herbst sein Brutgebiet verließ, um in geeigneten Lebensräumen zu überwintern. Dies galt vor allem für jene Populationen, die im Voralpenraum heimisch waren. Zwar verträgt der Waldrapp auch tiefere Wintertemperaturen, Nahrung ist jedoch über den Winter aufgrund der gefrorenen Böden nicht ausreichend vorhanden, auch wenn Einzelvögel (Shorty, Elmar) bereits einen Winter im Norden überstanden haben. 

Unsere Waldrappe zeigen ab Mitte August Anzeichen von Zugstimmung. Dieser Drang zum Herbstzug ist genetisch fixiert. Anhand von unerfahrenden Jungvögeln zeigte sich aber bereits vielfach, dass eine Zugrichtung nicht angeboren ist. Wo ihr Wintergebiet liegt, lernen junge Waldrappe von zugerfahrenen Artgenossen. Da jedoch bereits seit ca. 400 Jahren keine selbstständig migrierenden Waldrappe mehr in Europa leben, kann diese Weitergabe der Zuginformationen nicht mehr erfolgen. 

Um neue ziehende Kolonien zu gründen, ist es daher unabdingbar, die zukünftigen Wildvögel mit den nötigen Informationen zu versorgen. Dazu wird eine Gruppe von bis zu 16 aus Zoos stammender Waldrappnestlinge von zwei menschlichen Zieheltern handaufgezogen und auf sie geprägt. Fortan folgen sie ihren Bezugspersonen überall hin, selbst wenn diese in Ultraleichtflugzeugen sitzen und ihnen vorausfliegen. Die Zieheltern übernehmen damit für die unerfahrenen Jungvögel die Aufgabe der migrationserfahrenen Artgenossen und können sie in ein geeignetes Wintergebiet führen. 2011 zeigte sich erstmals, dass diese Tradition auch tatsächlich weitergegeben wird, und bereits ein Jahr später fungierte der erste natürlich aufgewachsene und von Artgenossen ins Wintergebiet geleitete Jungvogel seinerseits als Leitvogel. Für jede neue Kolonie ist dieses mittlerweile standardisierte Prozedere nötig. Jeder Vogel muss nur einmal von seinem zukünftigen Brut- ins Wintergebiet geführt werden; den Rückweg findet er selbständig.